Landwirtschaft im Wandel

Mehrjährige Erfahrungen aus einem Pilotprojekt zur Emissionsreduktion

Die Landwirtschaft – und insbesondere die Milchviehhaltung – steht zunehmend im Fokus öffentlicher Diskussionen über Umwelt- und Klimafragen. Betriebe sehen sich mit wachsenden Erwartungen konfrontiert, während viele Zusammenhänge komplex und stark von betrieblichen, geografischen und strukturellen Faktoren geprägt sind. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich landwirtschaftliche Produktionssysteme realistisch weiterentwickeln lassen.

Vor einigen Jahren hat die DMK Group gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben sowie Partnern aus Wissenschaft und Praxis ein mehrjähriges Projekt gestartet, um genau dieser Frage nachzugehen. Ziel war es, Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen unter realen Bedingungen zu erproben und deren Auswirkungen systematisch zu analysieren. Ausgangspunkt des Projekts, das 2025 abgeschlossen und in Teilen in die Praxis der Genossenschaft überführt wurde, war die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Teil der Emissionen entlang der Wertschöpfungskette in der landwirtschaftlichen Produktion entsteht und damit ein zentraler Ansatzpunkt für Weiterentwicklung ist.

Ein Projekt aus der Praxis für die Praxis

Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Suche nach schnellen Lösungen, sondern nach belastbaren Erkenntnissen aus der Praxis. Mehrere Betriebe haben Maßnahmen entlang der gesamten Produktionskette umgesetzt und deren Entwicklung über einen längeren Zeitraum dokumentiert. Ziel war es, nicht nur Einzelmaßnahmen zu betrachten, sondern vor allem deren Zusammenspiel zu verstehen.

Lernen im Betrieb: Komplexität statt Einzellösung

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen deutlich: Veränderungen entstehen selten durch einzelne Eingriffe, sondern durch das Zusammenwirken vieler Faktoren. Der Landwirt Jörg Stottmeister bringt es auf den Punkt: „Es gibt nicht die eine Maßnahme, die alles verändert. Entscheidend ist, die Abläufe im gesamten Betrieb zu betrachten und Zusammenhänge zu verstehen.“

Auch Florian Stümmler beschreibt den Prozess als kontinuierliche Weiterentwicklung:
„Wir schauen uns im Betrieb genau an, was funktioniert, was angepasst werden muss – und entwickeln uns Schritt für Schritt weiter.“
Im Laufe der Jahre wurden unterschiedliche Ansätze erprobt – von Anpassungen im Pflanzenbau über Veränderungen in der Fütterung bis hin zu Optimierungen im Betriebsmanagement und beim Energieeinsatz. Ergänzt wurde dies durch technische Lösungen, die eine genauere Steuerung von Prozessen ermöglichen und die Datengrundlage verbessern.

Daten als Grundlage für Entscheidungen

Eine zentrale Rolle im Projekt spielte die Übersetzung dieser Ansätze in die betriebliche Praxis. Henry Hashagen, Manager Agri Business und Projektleiter, beschreibt dies so: „Die entscheidende Frage war für uns nicht nur, welche Maßnahmen theoretisch möglich sind, sondern wie sie im Betrieb tatsächlich umgesetzt werden können. Genau hier helfen uns die Erfahrungen der Landwirte und die systematische Auswertung der Daten.“

Gerade diese Datentransparenz hat sich als wichtiger Faktor erwiesen. „Durch die Auswertung von Daten bekommen wir ein besseres Verständnis für unsere Abläufe“, beschreibt Stottmeister seine Erfahrung. Damit wird deutlich, dass Weiterentwicklung eng mit der Fähigkeit verbunden ist, Prozesse nachvollziehbar zu machen und auf dieser Grundlage fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wissenschaftliche Einordnung und Systemperspektive

Auch die wissenschaftliche Begleitung trägt dazu bei, die praktischen Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Der Umweltwissenschaftler Franz Theo Gottwald beschreibt die Ausgangslage so: „Die Milchwirtschaft ist Teil eines Systems, das sich über viele Jahrzehnte entwickelt hat.“ Veränderungen betreffen daher nicht nur einzelne Prozesse, sondern gesamte Strukturen. Entsprechend langfristig sind die Entwicklungen: „Es sind Entwicklungen, die Zeit brauchen und Schritt für Schritt erfolgen“, so Gottwald.

Von der Praxis zur strategischen Einordnung

Vor diesem Hintergrund kommt auch der strategischen Einordnung der Projektergebnisse eine wichtige Rolle zu. Dr. Philipp Inderhees, Global Head of Corporate Strategy, Sustainability & Innovation, formuliert es so: „Die Erfahrungen aus den Betrieben helfen uns, besser zu verstehen, wie sich unterschiedliche Ansätze in der Praxis entwickeln und welche Rahmenbedingungen für ihre Umsetzung entscheidend sind. Dieses Verständnis ist eine wichtige Grundlage für die weitere Ausrichtung entlang der Wertschöpfungskette.“

Damit wird deutlich, dass die Erkenntnisse aus der Praxis nicht isoliert stehen, sondern in übergeordnete Überlegungen einfließen.

Austausch und Umsetzbarkeit

Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Veränderungen nicht ohne Aufwand umzusetzen sind. Investitionen, zusätzlicher Planungsbedarf und der Aufbau von Wissen sind häufig notwendige Voraussetzungen. Umso wichtiger ist der Austausch zwischen den Betrieben. „Der Austausch über Erfahrungen hilft dabei, Maßnahmen besser einordnen zu können und voneinander zu lernen“, so Stottmeister.

Der Rückblick auf die vergangenen Jahre zeigt ein differenziertes Bild. In einzelnen Betrieben wurden Veränderungen bei bestimmten Kennzahlen beobachtet, gleichzeitig wird deutlich, wie stark die Ergebnisse von individuellen Rahmenbedingungen abhängen. Standort, Betriebsstruktur, Witterung und Management beeinflussen die Wirkung von Maßnahmen erheblich. Eine pauschale Übertragbarkeit ist daher nicht gegeben.

Fazit: Schritt für Schritt weiterentwickeln

Das mehrjährige Projekt zeigt, dass die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Produktionssysteme ein komplexer und langfristiger Prozess ist. Fortschritte entstehen aus der Kombination verschiedener Maßnahmen, aus praktischer Erprobung und aus der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Betriebsabläufen.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt dabei klar: Es gibt keine einfachen Lösungen – aber es gibt Wege, die sich durch systematisches Lernen, Austausch und fundierte Analyse Schritt für Schritt weiterentwickeln lassen.