Was das Jahr 2025 bei DMK geprägt hat, wo das Unternehmen aktuell steht und wohin es sich weiter entwickeln will – darüber spricht CEO Ingo Müller in diesem Interview.
Herr Müller, was hat das Jahr 2025 bei DMK geprägt?
2025 war ein sehr bewegtes Jahr. In einem Milchmarkt, der zwischen stabilen Phasen, wachsender Produktion und zunehmenden Unsicherheiten alles andere als linear verlief, haben wir unsere Handlungsfähigkeit bewiesen. Wir haben unseren Umsatz um rund 4 % im Vergleich zu 2024 auf 5,3 Milliarden Euro gesteigert und unseren Auszahlungspreis um 4 Cent im Vergleich zum Vorjahr. Mit 51,4 Cent pro Kilogramm Milch haben wir im Branchenvergleich absolut wettbewerbsfähig ausgezahlt. Bewegung ins Jahr gebracht hat vor allem auch die geplante Fusion mit Arla. Der entscheidende Meilenstein war im Juni 2025 die überwältigende Zustimmung unserer Genossenschaftsmitglieder für diesen Zusammenschluss. Sie hat den Weg dafür geebnet, dass wir am 1. Juni dieses Jahres fusioniert sind, nachdem die EU-Kommission grünes Licht gegeben hat. Damit sind wir keine Wettbewerber mehr, sondern eine Molkerei, die mit gebündelter Schlagkraft die Milchwirtschaft der Zukunft gestalten will.
Welche Ziele verfolgen Arla und die DMK unter einem gemeinsamen Dach?
Wir verbinden gemeinsame Werte, sich ergänzende Stärken und fundiertes Fachwissen, um mit diesem Fundament eine widerstandsfähige und vertrauenswürdige Lebensmittelproduktion für die Zukunft unserer Genossenschaft zu gestalten. Gemeinsam ist es uns noch besser möglich, strukturelle Herausforderungen, Marktvolatilität, Nachhaltigkeitsanforderungen und Investitionen zu bewältigen. Unser Ziel ist es, einen langfristig wettbewerbsfähigen Milchpreis zu sichern und ein solides Zuhause für die europäischen Landwirte von heute und morgen zu schaffen. Nicht zuletzt wollen wir als Branchenführer eine aktive Rolle bei der Bewältigung der dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen übernehmen, insbesondere in den Bereichen Ernährungssicherheit, Gesundheit, Klima und Natur.
Wo steht die DMK beim Start in die Fusion mit Arla?
Wir starten aus einer stabilen Marktposition heraus in die Fusion. Was nicht weniger wichtig ist: Wir starten mit einem engagierten Team und auf Basis unseres genossenschaftlichen Miteinanders. Dass wir 2025 eine spürbar wachsende Zahl an Landwirtinnen und Landwirten für uns gewinnen konnten, unterstreicht einmal mehr unsere Position als verlässlicher und operativ starker Partner.
In welchem Marktumfeld hat die DMK 2025 agiert?
Im ersten Halbjahr war der Markt trotz anhaltender geo- und handelspolitischer Unsicherheiten relativ stabil. Die Milchmengen in Deutschland lagen zwar zunächst unter Vorjahr, die Preise der Rohstoff- und Produktmärkte aber auf einem guten Niveau. Ab Juli erhöhte sich dann das Milchaufkommen stark, gleichzeitig enthielt die Milch mehr Fett – und das nahezu weltweit. Entsprechend kamen im zweiten Halbjahr mehr Käse und Butter auf den Markt und der Wettbewerbsdruck nahm zu. Mit dieser Entwicklung ging ein Preisrückgang im Herbst und Winter einher, der sich natürlich auch auf die Kosten und Umsatzerlöse der DMK auswirkte. Unterm Strich konnten wir dennoch eine Umsatzerhöhung erreichen, insbesondere durch höhere Erlöse im Bereich Molkenprodukte sowie aus dem Vertrieb von Butter und Milchpulver.
Welche Schwerpunkte hat die DMK 2025 – auch vor dem Hintergrund des Marktumfelds – gesetzt?
Die Basis für unsere Entwicklung war weiterhin unsere Strategie 2030 mit dem Fokus auf Wachstum, Effizienz, messbaren Klimazielen und einem wertschöpfenden Produktportfolio. Im Marktumfeld 2025 hat sich diese Strategie erneut als ein tragfähiges Fundament erwiesen, um aktuellen Herausforderungen zu begegnen. So haben wir durch gezielte Investitionen unsere Wertschöpfung, unsere Marktposition und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter gestärkt. Ein wichtiges Projekt zum Ausbau unserer Wertschöpfung war beispielsweise der Bau des neuen Reifelagers für Naturkäse in Hoogeveen in den Niederlanden.
Auch in die Standorte Altentreptow und Edewecht hat die DMK Group investiert. Mit welchen Zielen?
In Altentreptow entstand im Laufe des Jahres 2025 eine neue Produktionsanlage zur Herstellung von Lactoferrin – einem hochwertigen, bioaktiven Milchprotein, das unter anderem in den Bereichen Nutrition, Health und Pharma eingesetzt wird. Durch den Aufbau dieses neuen Geschäftsfelds setzen wir die Diversifizierung und die Entwicklung zukunftsfähiger Produkte mit hoher Markt- und Innovationsrelevanz gezielt fort. Auch am Standort Edewecht haben wir maßgeblich investiert und hier erste Schritte unternommen, um weitere Märkte zu erschließen und unsere Produktion energieeffizienter zu gestalten.
Welche Vorhaben sind konkret in Edewecht geplant?
Im Mittelpunkt stehen der Aufbau einer Anlage zur Herstellung von Whey Protein Concentrate (WPC80) sowie die Erweiterung der Konfektionierung. Die gezielte Veredelung von Käsereimolke ermöglicht es uns, noch stärker wachstumsstarke internationale Märkte für hochwertige Milchproteine in den Fokus zu nehmen. Außerdem werden wir umfangreiche Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz umsetzen. Dazu zählen etwa der Einsatz regenerativer Wärmepumpentechnologien und die Abwärmenutzung.
Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, CO2-Emissionen einzusparen. Welche Rolle spielt das Thema Klimaschutz in der Strategie 2030?
Neben vielen anderen Herausforderungen birgt die zunehmende Erderwärmung durch den Klimawandel massive Risiken für die Landwirtschaft: von Dürreperioden, Starkregen bis hin zu Ernteausfällen. Dem mit innovativen Lösungen zu begegnen, betrachten wir als unsere Verpflichtung. Als Molkereigenossenschaft und Lebensmittelhersteller verfolgen wir das Ziel, unsere Emissionen schrittweise zu senken und damit zum Transformationsprozess in unserer Branche beizutragen.
Wie geht es nach der Fusion mit Arla in den nächsten Wochen und Monaten nun konkret weiter?
Jetzt geht es darum, die 11.200 Landwirtinnen und Landwirte sowie 28.800 Mitarbeitende unter einem Dach zu vereinen. Das erfordert Zeit und dafür nehmen wir uns Zeit. Als Executive Vice President und Chief Integration Officer leite ich die Integration. Menschen auf diesem Weg mitzunehmen ist für mich essentiell. Denn letztlich sind sie es, die mit ihrem Mut und ihren Ideen das Unternehmen verändern. Was die Strukturen betrifft: Unserer landwirtschaftlichen Genossenschaften DMK eG und DOC Kaas U.A. werden zu einer europäischen Genossenschaft zusammengeführt, die im Laufe einer zweijährigen Übergangsphase mit Arla Foods a.m.b.a. fusionieren wird. Die DMK GmbH und ihre Töchter werden dagegen zu einer Tochtergesellschaft von Arla Foods und behalten damit ihren rechtlichen Status.
Vielen Dank für das Gespräch.