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Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2018

Von den Höfen

In der neuen Unternehmenskultur steht auch der persönliche Beitrag jedes Mitarbeiters zum Unternehmenserfolg und damit zum Milchgeld, das an die Milcherzeuger ausgeschüttet wird, im Zentrum. Im Berichtsjahr lag das an die Höfe ausgeschüttete Milchgeld bei 1,835 Mrd. Euro (DMK eG), inklusive DOC Kaas B.A. bei 2,114 Mrd. Euro.

Sinkende Zahl der Milcherzeuger

Die im Berichtsjahr bei DMK angelieferten 5,3 Mrd. kg Rohmilch entsprechen bei deutlichen regionalen Unterschieden einer durchschnittlichen Milchmenge je Milcherzeuger von 845.000 kg und haben einen erheblichen Teil zu der gesamten verarbeiteten Rohmilchmenge von 8,0 Mrd. kg beigetragen, welche zusätzlich zur angelieferten Milchmenge auch Zukaufs- und Tauschmilch umfasst. Die Zahl der Milcherzeuger hat sich bei DMK im Berichtsjahr durch Kündigungen und Betriebe, die ihre Milcherzeugung eingestellt haben, noch einmal reduziert. Obgleich die Kündigungswelle mit dem Wegfall von fast einer Milliarde Kilogramm Milch zum Ende des Berichtsjahres beendet ist und sich Milcherzeuger mittlerweile wieder zunehmend für eine Mitgliedschaft in der Deutschen Milchkontor eG interessieren, geht DMK in den betriebswirtschaftlichen Planungen vor allem vor dem Hintergrund des Strukturwandels von einer weiter sinkenden Anzahl an Milcherzeugern aus.

Anzahl der Milcherzeuger 2018

Neue Gewichtung von Fett und Eiweiß

Fett-/Eiweißgehalt 2018 Ø Fettgehalt (%) Ø Eiweißgehalt (%)
Deutsches Milchkontor eG 4,07 3,42
Vertragslieferanten DMK GmbH 3,84 3,39
Rohmilchqualität von Milcherzeugern der Deutsches Milchkontor eG und Vertragslieferanten der DMK GmbH; ohne Rohmilchqualität von Mitgliedsmolkereien, Tochtergesellschaften und Tauschmilch sowie Rohstoff aus Zukauf. Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe in der Kuhmilch sind insbesondere Fett und Eiweiß, ihr Gehalt hat somit eine wirtschaftliche Bedeutung. Zudem gibt der Eiweiß- und Fettgehalt als Indikator wichtige Hinweise auf die Tiergesundheit und eine wiederkäuergerechte Fütterung.

Zum 1. Juli 2018 hat die Deutsche Milchkontor eG die Bewertung von Fett und Eiweiß in der Milchbezahlung verändert. Nachdem Fett und Eiweiß über viele Jahre im Verhältnis 1 : 2 bezahlt wurden, hat DMK das Verhältnis aufgrund der veränderten Verwertungssituation am Markt und der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Preise für Milchfett in einem Zwischenschritt auf 1 : 1,5 angepasst. Zum ersten Januar 2019 hat das Unternehmen eine Gewichtung von 1 : 1 eingeführt.

Milchlieferordnung angepasst

Außerdem hat DMK im Berichtsjahr Anpassungen in der Milchlieferordnung vorgenommen, die zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten sind. Im Wesentlichen beziehen sich die Änderungen im Bereich der Milcherfassung auf festgelegte bauliche und hygienische Bedingungen in und vor der Milchkammer sowie bei den Folgen von Verstößen auf eine erweiterte Definition des Gefahrenverdachts und die bauliche Umsetzung bei den Automatischen Melksystemen (AMS). Außerdem wurden in der Änderung die Teilnahme an der Milchmengenplanung als Voraussetzung für Bonuszahlungen aus dem Milkmaster-Programm geregelt und ein neuer Kostenbeitrag für erhöhten Aufwand in Verbindung mit der Milchabholung festgelegt.

Absicherung volatiler Milchpreise

DMK versteht es als zentralen Auftrag, die Anliegen der Mitglieder der Genossenschaft praktisch zu unterstützen. Für sie kann die steigende Volatilität der Milch- und Verwertungspreise zu existenziellen Liquiditätsproblemen führen. Dass sich die Milcherzeuger auch in Zukunft auf schwer vorhersehbare Marktschwankungen vorbereiten müssen, erhöht den Bedarf an Instrumenten des Rohstoff-Risikomanagements. Vor diesem Hintergrund setzt sich DMK intensiv mit neuen Preisabsicherungsmodellen auseinander, die der Verbesserung der Finanz- und Planungssicherheit für die Milcherzeuger und das eigene Unternehmen dienen.

Grundlage ist dabei die Absicherung des Milchpreises an der Warenterminbörse. Sie kann helfen, das Preisschwankungsrisiko und die damit einhergehenden Liquiditätsrisiken für Milcherzeuger zu reduzieren. DMK hat den Milcherzeugern bereits im Jahr 2016 erstmals Seminare zum Thema Milchpreisabsicherung angeboten und sichert seit Juli 2016 einzelne Geschäfte über die Warenterminbörse ab.

Da differenziertere Formen der Preisstellung die individuelle und unternehmerische Freiheit erhöhen, arbeitet DMK unter anderem an einem börsenbasierten Festpreismodell für Teilmengen, in dem den Milcherzeugern ein freiwilliger Festpreis für die kommenden Monate angeboten wird. Ziel ist es, allen Milcherzeugern das Preisabsicherungsmodell noch im laufenden Geschäftsjahr anzubieten.

Klimaschutz auf den Höfen

Die Relevanz des Themas Klimaschutz in der Landwirtschaft steigt seit Jahren – nicht zuletzt, weil Stakeholder aufgrund des hohen Anteils der Landwirtschaft an Emissionen ein kontinuierlich wachsendes Interesse an der Thematik zeigen. Dass zahlreiche Milcherzeuger bereits seit Jahren auf diesem Feld aktiv sind, erleichtert DMK eine angemessene Reaktion auf die veränderten Anforderungen. Dabei folgt DMK dem öffentlichen Interesse und setzt sich künftig noch stärker und gezielter für den Klimaschutz auf den Höfen ein. Dazu unterstützt das Unternehmen unter anderem den Austausch unter den Milcherzeugern über erfolgreiche Möglichkeiten, den Klimaschutz auf den Höfen voranzubringen.

Auf vielen Höfen ist praktischer Umweltschutz bereits fest etabliert. So hat 2018 bereits jeder zweite Betrieb selbst erneuerbare Energien erzeugt. Ein Großteil der Milcherzeuger hat dafür Photovoltaikanlagen installiert, den Hauptanteil an der Erzeugung leisten derzeit Biogasanlagen. Auch der Einsatz von energiesparenden Maßnahmen beim Melken und Kühlen der Rohmilch beispielsweise in Form von Platten- und Rohrkühlern oder Einrichtungen zur Wärmerückgewinnung ist für zahlreiche Milcherzeuger bereits eine Selbstverständlichkeit.

Zu den im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie DMK 2020 festgelegten Zielen zählt auch, den Klimaschutz auf den Höfen mit fünf konkreten Projekten voranzutreiben. In diesem Kontext hat DMK im Berichtsjahr mit einem im Nachhaltigkeitsbereich führenden Industriekunden erfolgreich einen differenzierten Rohstoffstrom aufgebaut, der in Kooperation mit ausgewählten Milcherzeugern die Milchlieferung nach besonders strengen Kriterien der Nachhaltigkeit gewährleistet. Zu diesen zählen unter anderem Weidegang, Tierwohl-Monitoring, selbst erzeugte Energie sowie die Implementierung von betrieblichen Verbesserungsplänen. Im Rahmen dieses Projekts führt DMK auf den teilnehmenden Höfen gemeinsam mit dem Kunden auch ein Pilotprojekt zum Klimaschutz durch.

  • Basis: Selbsteinschätzungsdaten 2018 und zusätzliche Erhebung zur Anbindehaltung im Sommer 2018. Bei der Erhebung wurden Betriebe, die nicht an der Selbsteinschätzung teilgenommen haben, direkt zum Thema Anbindehaltung befragt. Die Zahlen unterscheiden sich daher zum Vorjahr. Die Betriebe bieten entsprechend der regionalen Gegebenheiten und der Betriebsgröße Weidegang an.

Ökobilanzen für landwirtschaftliche Erzeugung

DMK hat in den letzten Jahren mehrere Ökobilanzen für die landwirtschaftliche Erzeugung ermittelt. Damit liegen im Hinblick auf die wesentlichen Zusammenhänge und die Auswirkungen belastbare Daten vor, aus denen DMK die eigenen Möglichkeiten ableiten kann, den ökologischen Fußabdruck zu beeinflussen. Regelmäßige Erhebungen für alle Milcherzeuger führt DMK nicht durch. Dies würde hinsichtlich des Aufwands die Möglichkeiten der Milcherzeuger übersteigen und wäre von überschaubarem Nutzen, da der Strukturwandel in der Branche nur eine eingeschränkte Vergleichbarkeit solcher Daten ermöglicht. Die bisherige Datenerhebung durch DMK zeigt, dass sich bereits Cluster mit vergleichbaren Ökobilanztypologien finden lassen und sich aus weiteren Ökobilanzen kein größerer Erkenntniswert ergibt.

Grundsätzlich legt DMK in diesem Bereich einen besonderen Fokus auf die Milcherzeugung, da diese rund 70 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Milchprodukte bestimmt. Zu den wichtigen Einflussfaktoren zählen dabei die Art der eingesetzten Futtermittel, die Düngemittelausbringung und die Milchleistung. Die positiven ökologischen Auswirkungen des Weidegangs lassen sich hingegen nicht konsequent bestätigen, da dieser zwar in bestimmten Regionen förderlich ist, sich in anderen jedoch eher nachteilig auswirkt.

Mehr nachhaltige Futtermittel

Einsatz regional erzeugter Futtermittel 2018 Anteil in %
Betriebe mit ausschließlich (100%) 14,4
Betriebe mit überwiegend (>50%) 82,2
Betriebe mit weniger als der Hälfte (<50%) 3,4
Regional erzeugte Futterkomponenten in der Gesamtration, auf Basis Selbsteinschätzung

Im Rahmen des Milkmaster-Programms geben die teilnehmenden Milcherzeuger jedes Jahr eine Selbsteinschätzung ab, in der auch die eingesetzten Futtermittel angegeben werden. Die Auswertung ergab in den vergangenen Jahren einen durch die Umstellung auf den VLOG-Standard gestiegenen Anteil der GVO-freien Futtermittel. Für die übrigen von den Milcherzeugern nicht selbst erzeugten oder regional beschafften Futterkomponenten hat DMK im Berichtsjahr Zertifikate nach dem SFAP (Sustainable Farming Assurance Programme) beschafft. Diese entsprechen den FEFAC-Richtlinien, einem am Markt anerkannten Standard für nachhaltige Futtermittel.

Im Berichtsjahr hat rund die Hälfte der Milcherzeuger als nachhaltig anerkannte Sojafuttermittel eingesetzt. Fast 20 Prozent der Milcherzeuger verzichten komplett auf Soja. Der Einsatz nachhaltiger Futtermittel in der DMK-Milcherzeugung ist somit in den letzten Jahren weiter gestiegen. Mehr als 85 Prozent aller Milcherzeuger erzeugen Futterkomponenten zu mehr als der Hälfte selbst oder beschaffen sie regional. Mehr als 14 Prozent setzten sogar ausschließlich selbst erzeugte oder regional beschaffte Futtermittel ein.

Milcherzeuger setzen auf Transparenz

Nicht zuletzt durch den erhöhten Transparenzbedarf der Verbraucher ist aktive Öffentlichkeitsarbeit inzwischen bei vielen Landwirten Teil des Alltags. Über verschiedene Kanäle öffnen auch DMK-Milcherzeuger insbesondere in sozialen Medien ihre Hoftore und geben Verbrauchern und Stakeholdern Einblicke in ihre Arbeit. Damit leisten die Landwirte einen wertvollen Beitrag zu einem positiven Eindruck der gesamten Branche in der Öffentlichkeit. DMK hat die Milcherzeuger im Berichtsjahr bei solchen Maßnahmen unterstützt und ihre Aktivitäten in die Social-Media-Präsenzen der eigenen Marken eingebunden.

Zu den Akteuren, mit denen DMK gemeinsam an der Verbesserung des Images der Milchwirtschaft in der Öffentlichkeit arbeitet, zählen auch die von den Milcherzeugern mitfinanzierten Landesvereinigungen der Milchwirtschaft. Diese geben mit dem Projekt „My KuhTube“ Verbrauchern und anderen Interessierten transparente Einblicke in den Alltag auf Milcherzeugerhöfen. An dem Projekt sind auch mehrere DMK-Milcherzeuger beteiligt. Die Videos sind über YouTube, Facebook und unter „My KuhTube“ abrufbar.

  • Durchschnittswert, Hochrechnung auf Basis der Milchmenge in der Selbsteinschätzung

Regional fest verankert

An den deutschlandweit mehr als 20 Standorten und in den acht großen zumeist ländlichen Milcherzeuger-Regionen spielt die regionale Verankerung von DMK als wichtiger Akteur eine bedeutende Rolle. Die Milcherzeuger sind zentraler Bestandteil der ländlichen Gemeinschaft und gestalten diese aktiv mit. Dabei engagieren sich die Milcherzeuger jenseits des Tagesgeschäfts auf vielfältige Weise und stärken damit die Landwirtschaft in den Regionen.

Die Selbsteinschätzung im Rahmen des Milkmaster-Programms enthielt auch im Jahr 2018 in einem Zusatzteil Fragen zur Öffentlichkeitsarbeit auf den Höfen. Da 5.349 Milcherzeugerbetriebe an der Selbsteinschätzung teilgenommen haben, liefern die Daten ein interessantes Panorama der Aktivitäten von Milcherzeugern in den Regionen: Fast 30 Prozent der teilnehmenden Betriebe betreuen Auszubildende oder Studenten der Agrarwirtschaft. Etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe haben im Berichtszeitraum Besuchergruppen empfangen. Dabei spielen die von den Bauernverbänden und Bauernvereinigungen der Bundesländer organisierten „Tage der offenen Höfe“ eine besondere Rolle. Über diese Veranstaltungen konnten sich im Jahr 2018 rund 240.000 Verbraucher und ein interessiertes Fachpublikum auf DMK-Milcherzeugerbetrieben ein Bild von der modernen Landwirtschaft und der wertvollen Arbeit von Milcherzeugern machen.

Darüber hinaus bieten gut 200 DMK-Betriebe der Öffentlichkeit Urlaubsmöglichkeiten in unterschiedlichen Formen an. Rund 40 Prozent der Milcherzeuger engagieren sich laut Selbsteinschätzung zudem ehrenamtlich in Berufsverbänden oder anderen Organisationen für die Branche und investieren in erheblichem Umfang Zeit für diese Tätigkeiten.

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